Heute im Gespräch mit „den Jungs von nebenan“, die „GoldKaz“ Bandmitglieder Martin Goldhardt und Dusan Kazic.

gera.digital: Hallo, ihr beiden! Schön, dass ihr euch Zeit für uns genommen habt. Zuerst interessiert uns, wie ihr überhaupt zur Musik gekommen seid?

Dusan: Da müssen wir wohl weit in die Vergangenheit schauen. Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie, da mein Vater Musiklehrer ist. Ursprünglich stamme ich aus Serbien, von daher bin ich auch stark durch unsere Kultur geprägt worden. Im Alter von zehn Jahren habe ich ein Keyboard bekommen, mit dem ich sofort musizierte. Mein Vater hat direkt gesehen, dass ich sehr talentiert bin und auch schnell lerne. Dann kam eins ins andere und mittlerweile ist die Musik kaum noch aus meinem Leben wegzudenken. Man könnte sagen, dass mir die Musik im Blut liegt.

Martin: Bei mir ist es genau das Gegenteil. Bei mir war es konsequenter Ehrgeiz meines Vaters. Disziplin und Gehorsam standen an der Tagesordnung. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich vor dem Zubettgehen immer Melodien nachsingen sollte. Von Madonna, Michael Jackson, bis hin zu den Bee Gees war alles dabei. Dadurch bin ich irgendwann zum Gesang gekommen. Später hatte ich zwar auch Keyboard-Unterricht, das fand ich aber doof. Mit 15 Jahren habe ich eine Bob Marley Platte gefunden und seitdem war meine Liebe zum Reggae geboren. Das hatte nichts mit Mainstream zutun, das gefiel mir. Es klingt südländisch, immer positiv -obwohl auch negative Messages vermittelt werden- und es hat mich einfach aus dem Alltag herausgeholt und mich frei fühlen lassen. Später haben wir eine Band gegründet, mit der wir ständig auf Achse waren. Es verging kein einziger Tag ohne Musik. Wir beide haben erst vor drei Jahren zusammengefunden.

gera.digital: Gibt es momentan ein Genre, in dem ihr eure Musik einordnen könnt?

Martin: Das kann man bei uns nicht festlegen. Man könnte sagen, dass man Soul, Jazz oder vielleicht auch orientalische Einflüsse in unserer Musik wiederfinden kann. Klar, Cover bleiben Cover. Auf das Genre haben wir dann keinen Einfluss. Einen strikten Fahrplan haben wir aber bei eigens produzierten Songs nicht.

Dusan: Bei uns findet man einfach keine festgelegten Strukturen, wie wir unsere Songs aufbauen oder welche Elemente wir immer verwenden. Wir spielen das, was uns gefällt und kreieren unsere eigenen Interpretationen.

Martin: Natürlich stellt man sich die Frage, was die Leute momentan anspricht, jedoch ist es schwierig, eine Balance zwischen dem eigenen Interesse und gewissen Trends zu finden. Wir möchten uns nicht festlegen, um nicht in eine Schublade gesteckt zu werden. Wenn du aber selbst etwas liebst, dann verkörperst du das auch. Das merken die Leute.

gera.digital: Apropos, „Leute“. Wie ist die aktuelle Corona-Situation für Künstler wie euch?

Dusan: Uns hat das wie jeden anderen auch hart getroffen. Man kann einfach nicht mehr gemeinsam Musik machen, das ist für mich das Schlimmste. Sich ständig nur vor Handys, Kameras oder Ähnliches zu setzen, ist auch nur eine Notlösung.

Martin: Richtig. Streaming ist eine gute Sache, jedoch denke ich, dass die Leute bald wieder das Live-Feeling haben möchten. Wir mussten leider zehn Auftritte absagen. Wenn man ehrlich ist, ist der Sommer doch immer am coolsten. Dieses Jahr sieht das ein bisschen anders aus. Das Krasseste daran ist, dass es aber uns alle betrifft. Bei vielen Künstlern schmilzt allmählich der finanzielle Puffer dahin und ich stelle es mir sehr schwierig vor, in dieser Zeit ausschließlich von der Musik zu leben.

gera.digital: Wie schaut ihr diesbezüglich der Zukunft entgegen? Denkt ihr, dass danach ein regelrechter Boom um euere Branche entsteht, da die Leute „ausgehungert“ sind, oder glaubt ihr, dass bald negative Konsequenzen folgen?

Martin: Ich stelle da am besten keine Prognosen an. Einfach aktuelle Chancen nutzen, dankbar sein, dass es Leute gibt, die Künstler pushen und mehr kann man nicht machen.

Dusan: So sehe ich das auch. Wir schauen, was die Zukunft bringt.

gera.digital: Hättet ihr einen Anreiz für die Bürger, wie man Künstlern derzeitig unter die Arme greifen könnte?

Martin: Wie schon gesagt, sind Livestreams eine super Sache. Hierbei sollte man aber vielleicht nicht nur für ein paar Sekunden einschalten und dann wegklicken, wenn’s zu öde wird, sondern auch die Arbeit dahinter wertschätzen und eventuell nachhaltige und konstruktive Kritik dalassen. Mit so einem Feedback kann man arbeiten. Wenn wir Liveauftritte haben, sehen wir sofort eine Reaktion im Publikum, beim Streaming passiert das ganze aber hinter den Displays, sodass man auf Kommentare angewiesen ist.

gera.digital: Ihr habt ja bereits etwas gegen den aktuellen Stillstand in der Musikbranche getan. Am 31. Mai wird euer Osterburg-Konzert in Weida ausgestrahlt. Was erwartet die Zuschauer und Zuhörer?

Martin: Es war einfach mal eine ganz andere Erfahrung. Mal von der atemberaubenden Location abgesehen, haben wir uns von einer sehr gläsernen Seite gezeigt. Man kann sich während solcher Aufnahmen nicht verstecken. Dieser Auftritt lebte einfach von dem Flow und unserer Improvisation und Spontanität.

Dusan: Dieser Auftritt wurde zuvor auch nie geprobt. Besonders durch Corona war uns das nicht möglich. Unser drittes Bandmitglied David wäre sonst bei größeren Sachen auch am Schlagzeug mit dabei, aber das geht momentan leider nicht. Wir hoffen trotzdem, dass es auf der Osterburg so natürlich und authentisch rüberkam, wie wir auch sind.

gera.digital: Worauf freut ihr euch am meisten, wenn mal alles wieder der Normalität entspricht? 

Dusan: Wir möchten den Leuten so schnell wie möglich zeigen, dass bald Neues von uns zu erwarten ist. Auf jeden Fall planen wir, eine CD herauszubringen und neue Songs zu spielen.

Martin: Da überlegen wir noch ein bisschen. CDs sind zwar toll, aber im Internet erreicht man eben mehr Leute. Wir haben extrem Lust, mal wieder in Clubs, auf Stadtfesten oder Festivals präsent zu sein und zu spielen. Bei sowas erreicht man in kurzer Zeit eine große Menge an Leuten. Natürlich vermissen wir auch ein bisschen den Nervenkitzel, bevor es losgeht.

Dusan: Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir vor allem auch in Gera wirklich ankommen und die Leute erreichen. In meiner Kultur wird sehr viel Livemusik gespielt, auch in Clubs. Hier geht das etwas verloren. Vielleicht trifft es noch nicht den Geschmack der Geraer, aber wir können trotzdem unser Bestes geben, sie davon zu überzeugen.

gera.digital: Eine letzte Frage zum Abschluss: Habt ihr noch Lampenfieber?

Martin: Ja, ich auf jeden Fall. Aber nur solange der Sound noch nicht zu 100% sitzt. Danach ist alles in bester Ordnung.

Dusan: Nein. Ich habe tatsächlich keins mehr. Hauptsache, ich kann Musik machen, dann bin ich glücklich.

Martin: Dusan hat einfach das Selbstbewusstsein dazu. Trotzdem ist er sehr auf dem Teppich geblieben und lebt einfach sein Talent aus. Das ist das Ziel von uns beiden. Wir sind eben ganz normale Jungs von nebenan.

gera.digital: Vielen Dank, bis zum nächsten Mal!