Heute im Gespräch mit Frank Nehring von 07 Gera eSport e. V.

aboutGera: Hey! Erzähl uns doch etwas über die Historie und das Konzept von euch.

Frank Nehring: Uns gibt es jetzt hier schon seit zwei Jahren. Eigentlich hatte ich auch gar keinen Bezug zu eSport. Ich kannte damals eine Familie dessen Kind sich im Hintergrund einen Clan inklusive eigener Homepage aufgebaut hat. Später lernte ich den Vizepräsidenten des ESBD (eSport-Bund Deutschland) und selbst Vereinsvorsitzender des Magdeburger eSport Verein, Martin Müller kennen. Dieser bestätigte, dass es eine super Idee wäre, einen eSport Verein zu gründen. Ich wandte mich an die Stadt und diese meinte, dass sowas doch auch interessant für Gera wäre. Immerhin wäre das etwas Innovatives und die Jugendclubs werden sowieso immer leerer. Am Anfang mussten wir alles durch viel Eigenkapital stemmen, aber somit konnten wir uns entwickeln. Wir wollten eben keine Kinderzimmer in andere Räumlichkeiten verlagern, sondern auch die soziale Komponente beibehalten. Wir haben z.B. Moritz bei uns. Er ist Altenpfleger. Wir haben hier dann mal einen Benchmark mit den Euro-Schulen betrieben und es gibt beispielsweise eine Senioren-Liga für eSports. Dann dachten wir uns: Lasst uns doch einmal sowas machen! Anschließend haben wir uns mit dem Geschäftsführer der Heimbetriebsgesellschaft unterhalten und haben Bowling-Turniere in Pflegeheimen durchbringen können. Das heißt, dass die Senioren per Wii auf der Leinwand spielen. Daraus ist dann ein regelrechter Hype entstanden, der schon zwei Mal vom ZDF dokumentiert wurde.

Natürlich setzen wir uns ebenfalls Präventionsarbeit zum Ziel. Auch die „Hardcore-Zocker“, die sonst nur alleine zuhause sitzen, haben somit die Möglichkeit, ein festes Team aufzubauen, welches sie nicht nur vom Teamspeak oder Discord kennen. Manchmal hören wir auch Eltern, die sagen, dass ihr Kind gar nicht mehr zuhause zockt, weil das Spiel im Team einfach viel interessanter geworden ist. Letztens haben wir uns als Verein auch einen Pokal nach Gera geholt. Es war echt mega, dass wir auf einer Bühne spielen konnten. Das war ein high end Erlebnis für die Jungs. Sogar Sport 1 war dabei. Das war eine coole Erfahrung als Verein. Ich vermute mal, dass es ein wenig unser „Erfolgskonzept“ darstellt, dass wir unsere eigene Kreditkarte haben. Wir haben auch etwas nachgeforscht, wo die minderjährigen Jugendlichen ihre Skins herkriegen. Für sowas muss man ja bezahlen. Dann sind wir darauf gestoßen, dass es Jugendkonten gibt. Später kann man sich mit einem fingierten Geburtsdatum einige Arten von Online Konten anlegen. Zuvor fragten wir uns immer, wie es sein kann, dass sich Minderjährige schon in Grauzonen bewegen müssen, weil das System nicht funktioniert. Wir haben dann mit der Sparkasse Gera-Greiz und Mastercard gesprochen und haben die Kreditkarte herausgebracht, die als Prepaid funktioniert. Die Kinder haben dann also Kreditkarten und die Eltern haben eine App, auf der sie genau sehen können, wo der Geldfluss ist – der übrigens limitiert werden kann. Das gibt es auch für 18 Jährige. Da bekommt man die Karte bis zum 24. Lebensjahr als Kunde umsonst. Als dieses Produkt auf den Markt kam, haben wir es mit „07 Gera eSport Verein“ labeln lassen.

Des Weiteren betreuen wir oftmals auch Seminarfachgruppen, da eSport ein populäres Thema geworden ist. Da hatten wir mal das Thema „Verletzung im eSport“ und im gleichen Atemzug sind wir mit der Firma Bauerfeind in Kontakt getreten. Letzten Endes ist hierbei eine Kooperation entstanden, bei der an eSport-Bandagen geforscht werden.
Unter dem Konstrukt von 07 haben wir noch die „07 DIMEKO gGmbH“ und „07 EventConsult UG“. Diese Unternehmen stellen den sozialen und wirtschaftlichen Teil dar. Die 07 EventConsult UG nutzt beispielsweise hochwertige Kameras, machen Filmaufnahmen und versuchen Jugendlichen die Möglichkeit zu geben kleine Filme zu drehen. Zuletzt hatten wir einen Drohnenflug über Weida. Das haben die Jungs dann geschnitten. Durch solche Aktivitäten versuchen wir die Finanzierung des Vereins abzusichern.

aboutGera: Gibt es weitere Projekte, auf die wir uns in der Zukunft freuen können?

Frank Nehring: Wir verfolgen ein Projekt, bei dem man Senioren einen sogenannten Smartphone-Führerschein machen lässt. In der Pflege fehlt für sowas einfach Zeit und Geld. Oftmals bekommen die Senioren Smartphones oder Tablets geschenkt, aber haben Schwierigkeiten, damit umzugehen. Wenn die alten Leute in der Tagespflege oder im Krankenhaus sind, geht es schon los beim Login in das WLAN-Netzwerk. Unsere Jugendlichen besuchen die Einrichtungen und erklären die Grundlagen der Geräte oder verbinden eben mal den Fernseher mit dem Internet. Während Corona arbeiten wir natürlich nur mit Einrichtungen, die Besucher erlauben. Auch für betreutes Wohnen und ähnliche Systeme stehen unsere Jungs bereit und helfen den Leuten – alles natürlich gestützt von Förderprojekten.
aboutGera: Wie siehst du die Entwicklung von eSport in Deutschland?
Frank Nehring: In Deutschland haben wir das Problem, dass es diesem Sport an Anerkennung fehlt. Damals, als Wahlen waren, hieß es im GroKo-Vertrag, dass eSport anerkannt wird. In Deutschland ist es aber so, dass nicht die Politik entscheidet, was Sport ist und was nicht. Das entscheidet der DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund). Wenn der sagt: League of Legends oder CSGO hat nichts mit Sport zu tun, dann ist das so. Wiederum akzeptiert man Sport-Simulatoren, wie z.B. FIFA schon eher, da viele Fußballvereine dort investieren. Sobald aber die Anerkennung fehlt, wird man als normaler eSport-Betreiber auf Gemeinnützigkeit verzichten müssen Auch einige Profi-Clans sind momentan down, auch ohne Corona. Die Entwicklung sieht meiner Meinung nach also negativ aus. Es stehen viele Vereine in den Startlöchern, die dadurch ein Risiko einnehmen. Selbst wenn bestehende Vereine bereit sind, den eSport als Unterkategorie aufzunehmen, dürften die Gelder dort nicht reinwandern, da das Finanzamt uns als „Kiosk vom Sportplatz“ sieht.

aboutGera: Wie stehst du zu Gera und wie siehst du die Entwicklung der Stadt?

Frank Nehring: Ich bin seit 1987 in Gera-Hermsdorf. Hier habe ich damals meine Ausbildung als Elektromechaniker gemacht und bin dann hier geblieben. Später habe ich meine Frau geheiratet, ein Haus gebaut und wir haben ein Kind bekommen. Ich würde behaupten, dass wir durch unseren OB in Richtung Innovation wandern. Man denkt über den Tellerrand hinaus und versucht, innovative Sachen zu implementieren, um die Jugend zu behalten. Bei uns in Gera-Hermsdorf kommt jetzt ein großer Amazon Komplex, der vielleicht viele junge Leute durch Arbeitsmöglichkeiten anzieht. Besonders in Hinblick auf die Stadtverwaltung muss ich sagen, dass man dort mit jedem offen reden kann. Wenn man Unterstützung benötigt, wird diese oftmals gegeben. Ich würde mir nur wünschen, dass Gera einen digitalen Ausbau vorantreiben würde. Das Thema ist eben auch enorm wichtig für die Jugend und da wir eine Verjüngung brauchen, wäre das von Vorteil. Wir müssen den Jugendlichen zeigen, wie cool es sein kann, in Gera zu bleiben und welche Chancen unsere Stadt bietet. Viele Firmen müssten ihre Vorteile herausarbeiten und mehr Präsenz zeigen.